REBELL Wiesbaden

Pressemitteilung vom 28.11. zu der Besetzung der CvO


Hier die Pressemitteilung der Besetzer_Innen der Carl-von-Ossietzky-Schule. Das Verhalten des Direktors Helmut Nehrbaß, der gleichzeitig bildungspolitischer Sprecher, der SPD Fraktion im Wiesbadener Rathaus ist, wird zu Recht verurteilt.

Schülerinnen und Schüler empört über CvO-Direktor Nerbaß


Nach dem Vorbild der zahlreichen Besetzungen von öffentlichen Bildungseinrichtungen in nun über 90 Städten weltweit, besetzten am Mittag des 23. November etwa 30 Schülerinnen und Schüler von verschiedensten Schulen Wiesbadens das Oberstufengymnasium Carl-von-Ossietzky-Schule (CvO). Laut den Protestierenden versuchten sie sich durch diese Protestaktion Gehör für ihren Unmut über die deutsche Bildungspolitik in der Öffentlichkeit zu verschaffen. »Wir wollen nicht mehr dann protestieren, wenn es uns erlaubt wird und wenn wir darum gebeten werden, wenn es den Verantwortlichen passt. Wir wollen jetzt gehört werden!« So äußerte sich einer der Protestierenden über den Grund der Proteststrategie. Es sollte ein Forum für kreative und konstruktive Arbeit zum Thema Bildungspolitik geschaffen werden. Die Schülerinnen und Schüler forderten unter anderem mehr Mitbestimmungsrechte, kostenfreie Bildung für alle, kleinere Klassen und mehr Geld für staatliche Bildungseinrichtungen, insbesondere für die Sanierung Wiesbadener Schulen. Ebenso richtete sich der Protest gegen die geplante Zusammenlegung von der Carl-von-Ossietsky-Schule und der Martin-Niemöller-Schule. »Die Zustände in Wiesbaden sind nicht mehr länger hinnehmbar«, beschwerte sich eine betroffene Schülerin. »Die maroden Schulen in Wiesbaden brechen fast zusammen und die Stadt Wiesbaden scheint sich kein bisschen dafür zu interessieren.« Kritisiert wird unter diesem Gesichtspunkt vor allem die finanzielle Unterstützung der European-Business-School. Sämtliche Schulen Wiesbadens würden unter dieser einseitigen Eliteförderung leiden, da das Geld jetzt an anderer Stelle fehle.
Geplant sei eine Besetzung über einen Zeitraum von einer Woche gewesen, in deren Verlauf die Demonstrierenden auf große Unterstützung durch die Wiesbadener Bevölkerung hofften. Vor allem sollten Unterstützer bei der Eltern- und Lehrerschaft alarmiert werden: »Der Frust und die Empörung sitzt tief in der gesamten Wiesbadener Bevölkerung.»
Um den Direktor über die Lage an seiner Schule aufzuklären, versuchten die protestierenden Schülerinnen und Schüler ihn telefonisch zu erreichen. Herr Nerbaß, Direktor der CvO und bildungspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Wiesbadener Rathaus verweigerte jedoch zunächst jegliche Gespräche mit den Schülerinnen und Schülern und wies stattdessen den Hausmeister der Schule an, die Polizei zu rufen. Dieses Verhalten rief äußerste Empörung unter den Protestierenden hervor: »Herr Nerbaß war nicht einmal bereit sich anzuhören, warum wir hier sind, oder was wir wollen. Immerhin richtet sich dieser Protest nicht gegen seine Schule, sondern steht für seine Schule.«
Erst durch Druck seitens der Jusos Wiesbaden, der SPD-Jugendorganisation, kam Herr Nerbaß dann doch in die Schule. Für eine Diskussion oder ein konstruktives Gespräch war er jedoch nicht empfänglich. Während des Versuchs ihm den Grund und die Notwendigkeit der Besetzung zu erläutern, unterbrach er immer wieder die Schülerinnen und Schüler, wenn sie ihn darauf ansprachen, erwiderte er nur »Ihr habt noch nicht mal das Recht hier zu sein, also darf ich euch auch unterbrechen.« Die Protestierenden seien in seiner Schule nicht willkommen, wenn sie einen Raum zum Arbeiten brauchen, könnten sie ja das Bürgerzentrum Klarenthal aufsuchen, oder eine andere Schule besetzen. Die Schulleitung der CvO begründete ihre Ablehnung des Protestes mit versicherungstechnischen Gründen, da den Schülerinnen und Schülern in der Nacht die Decke auf den Kopf fallen könne, immerhin sei die Schule marode. Zu dem Argument der Protestierenden, dies könne auch während des Unterrichts passieren, antwortete die Schulleitung kühl: »Versicherte tote sind eben besser als unversicherte Tote.«
Gegen 22:30 Uhr rief Herr Nerbaß schließlich die Polizei und drohte den protestierenden Schülerinnen und Schülern indirekt mit Anzeigen. Daraufhin verließen diese das Gebäude bei Eintreffen der Polizei. Die ganze Besetzung war damit friedlich abgelaufen, bis auf ein Versuch des Schulleiters, einen Besetzer am Eintreten seiner Schule zu hindern, indem er ihn zurück stieß.
Ein Sprecher der Protestierenden äußerte sich enttäuscht über das Verhalten des Schulleiters: »Eine Konfrontation mit der Polizei war nicht Sinn unserer Aktion. Wir hätten uns einen offenen Diskurs mit dem Schulleiter gewünscht, wie er mit einem Teil der Lehrkörperschaft der CvO auch stattgefunden hatte. Stattdessen legte Herr Nerbaß ein Armutszeugnis ab und verhielt sich nicht wie ein Schulleiter und bildungspolitischer Sprecher, sondern vielmehr wie ein kleines Kind. Wir haben heute zumindest gesehen, dass wir in ihm keinen Verbündeten im Kampf für eine bessere Bildung haben - sondern einen Gegner. Schade!


sharen!

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